Umfrage zu fehlenden Linux-Applikationen
Seit kurzer Zeit befragt Novell Personen[1], welche Linux-Applikationen sie unter Linux vermissen.
Komisch dabei ist, dass die meisten Programme, wie z. B. Photoshop sehrwohl unter Linux verfügbar ist. Entweder durch den Photoshop-Ersatz Gimp oder durch Emulation mit den diversen Wine-Derivaten des originalen Photoshops. Golem gibt u.a. auch Office-Applikationen, E-Mail Programme und Web-Browser [...] an – was für mich vollends unverständlich ist, da diese Programme on mass unter Linux/Unix vorhanden sind!!!
Aber vielleicht ist die Aussagekraft (wg. [1]) sowieso nicht wirklich aussagefähig, denn was können schon potentielle Windoze-Umsteiger beurteilen! Oder weiß Novell garnicht, wer hier seine Stimme abgibt?
[1] IMHO ist es nicht ganz offensichtlich, ob hier potentielle Umsteiger von Windows auf Linux, oder ob Linux-Anwender (wie lt. Golem.de) befragt werden.
UPDATE:
Gerade auf Heise.de beim Surfen gefunden: Hier wird die Definition der Abstimmer einfach auf die Surfer reduziert. Kein Wunder, dass Novell’s Ergebnis etwas komisch aussieht (s.o.)
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2006-01-31 at 10:30:42 (+0000)
Gestatte mir eine Bemerkung deiner Äußerung, dass es unter Linux Gimp gebe und PS mittels Emulator zum Laufen zu bringen sei.
PS wird im prof. Umfeld gerne wg. seine Möglichkeiten des Farbmanagements und der Farbprofile eingesetzt. An dieser Stelle überzeugt Gimp und Linux – soweit ich das weiss – nicht vollständig.
Was die Möglichkeit des Emulator Einsatzes angeht: Es kann sein, dass man es starten kann. Ich glaube aber kaum, dass man eine Software, die im Produktiveinsatz bis 2GB RAM verwendet, zwei Monitore (davon einer farbkalibriert und >= 20″/1600×1200), einem Grafiktablett mit unterschiedlichen Stiften/Stiftspitzen, und Bedarf an min. 3 (davon mind. eine gerna auch als RAID0) Partitionen wirklich in allen Aspekten und Funktionen zufriedestellend unter einem Emulator läuft.
Wenn es nativen Linux-Support mit Farbprofilierung und -kalibierung und wirklich funktierende Treiber für Grafiktabletts gibt, und Adobe zu dem Cross-Updates sowie Support anbietet, dann bin ich sofort dabei.
Insofern gedenke ich eines Wortes von Adolf Holl: “Eine Utopie ist ein Möglichkeiten, die an den Umständen scheitert”. Und hoffe dass die Utopie wahr wird
2006-01-31 at 11:42:06 (+0000)
Es würde mich mal interessieren, wie sich Gimp macht. Probiere es einfach mal aus und poste hier deine Erfahrungen. Um Missverständnisse gleich von Anfang an aus der Welt zu räumen:
“Ja, es gibt Gimp natürlich auch für Windows!”
Würde mich freuen! LG, Philippe
2006-01-31 at 12:33:51 (+0000)
Meine Ansicht über GIMP?
Es läuft unter Linux besser als unter Windows (Nein- ich habe _nicht_ gesagt, dass es unter Windows schlecht läuft. Aber man merkt immer noch, dass es nicht nativ Windows ist).
Die Bedienung ist für Win-User sehr ungewöhnlich und für diese Klientel mit einem hohen Einarbeitungsaufwand verbunden.
Bei der Geschwindigkeit sind unterm Strich GIMP und PS CS2 bei jeweils optimierter Installation ungefähr gleich auf. Bei einzelnen Funktionen und Operationen ist mal das eine, mal das andere schneller. Das ist aber ein Subjetiver Eindruck.
Was die Qualität der Filterergebnisse angeht – da finde ich PS oft als besser.
Bei Filtern und Plugins für Fotografen bietet PS mehr Auswahl, ist aber oft deutlich teuerer.
Je nach Anforderung ist GIMP durchaus für professionelle Ansprüche geeignet – wenn das Arbeiten in verschiedenen Farbräumen unwichtig ist. Es fehlen soweit ich weiss immer noch CMYK und LAB. Die Kalibrierung von Bildschirmen und Ausgabegeräten ist meines Wissen nach immer noch nicht machbar.
Das Thema Workflow und pixelgenaue Repuzierbarkeit ist bei PS CS2 wesentlich weiter ausgereift.
Ich persönlich finde die Automatiserungsmöglichkeiten und das Scripting unter Gimp echt furchtbar – das unter CS geht mir deutlich leichter von der Hand.
Wozu ich bei GIMP bisher nichts gefunden habe, ist die Protokollierung von Arbeitsschritten – PS CS2 kann’s und zwar in mehreren Variationen.
Die Linux/Gimp-Untersützung von WACOM-Grafik-Tabletts hatte mich beim letzten Versuch gar nicht überzeugt, ist aber schon länger her. Vielleicht hat sich das ja gebessert.
Ein weiteres Linux-Problem: der Output von Photodruckern ist häufig nicht mit dem Output des gleichen Drucker unter Windows vergleichbar.
Was mir unter Linux ebenfalls problematisch erscheint ist der Workflow mit RAW Dateien. Natürlich geht RAW je nach Kamera unter Linux, aber Grafiker haben oft ein distanziertes Verhältnis zur Kommandozeile.
FAZIT. EBV-Kenntnisse und Einarbeitung brauchen beide und sind daher für Laien und Gelegenheitsbenutzer nicht oder nur bedingt geeignet.
Wenn man EBV-Kenntisse hat, ist Gimp für vieles sehr wohl geeignet. Wenn es um Farbpräzision, Reproduzierbarkeit von Ergebnissen sowie aufgefeilten Workflow geht, ist PS deutlich besser. Was die Unterstützung mit Plugins und Third-Party-Tools angeht: auch hier PS klarer Gewinner.
2006-01-31 at 16:32:13 (+0000)
Super! Erstmal danke für deinen ausführlichen Bericht.
Zum Thema Protokollierbarkeit möchte ich noch auf den Artikel verweisen. Auch noch sehr interessant ist dieser Artikel (GIMPshop).
LG, Philippe
2006-02-07 at 17:33:04 (+0000)
Ein Leser meines Weblogs machte mich auf den Artikel
“Why Photoshop tops most-wanted Linux app list” aufmerksam. Er schildert die Situation “Photoshop versus Gimp” recht ähnlich.
(via Slashdot)